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Fanie

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1

Sonntag, 9. Oktober 2011, 19:09

Ich stelle mich vor...

Hallo ihr lieben,

Mein Name ist Stefanie, wurde immer "Fanie" genannt. Ich bin 32 Jahre alt, kinderlos. Ich bin vermutlich von Geburt an gehörlos. Ich trage die beidseitige Hörgeräte, keine CI. Ich beherrsche die Gebärdensprache (DGS und LBG). Und kann mich auch gut die Lautsprache verständigen.

Meine kleine Lebensgeschichte:

Als ich zur Welt geboren wurde. Keiner wußte, ob ich von der Geburt an gehörlos war. Ich wurde mit 6 Monate mein Taubheit festgestellt. Für meinen Eltern war ein Schock gewesen, weil sie nie wußten, wie sieht meine zukünftige Leben aus. Sie hatten damals viel zu wenig Information über die Gehörlosigkeit. Mit 1 Jahr bekam ich meine erste Hörgeräte (sie waren echt groß und schwer). Ich hasste sie, schmiss sie immer weg. Meine Mutter musste sie mehrmals in meinen Ohren reinstecken. Nach und nach gewöhnte mich schon daran. Mit 2 Jahre gingen meine Mutter, mein Opa und ich regelmäßig zur Beratungsstelle für Frühförderung in Heidelberg. Dort lernte ich die Sprache zu "sprechen". Damals wurde die Gebärdensprache "verboten" und nicht anerkannt. Ich ging zur normale "hörende" Kindergarten. Damals war ich nie bewusst, dass ich gehörlos bin. Ich dachte immer, ich bin genauso wie alle Kinder, die hörende sind. Der Berater aus Heidelberg empfiehlte uns, dass ich zur Kindergarten für die hörgeschädigte Kinder gehen soll. Mit 4 wechselte ich die Kindergarten für die hörgeschädigte Kinder in Neckargemünd bei Heidelberg. Am ersten Tag waren meine Mutter, mein Opa und ich dort. Ich war schockiert und sah, die gehörlose Kinder gebärdeten. Dahin wollte ich nie und wollte die alte Kindergarten bleiben. Meine Mutter versuchte immer, mir zu erklären. Diese Kindergarten sei gut für mich. Damals verstand ich die Gebärdensprache nicht. Aber ich lernte die Gebärdensprache sehr schnell schon in einige Tage. Zuhause kommunizierte ich viel Gebärden, da verstanden meine Eltern nicht. Aber mein Opa übte immer mit mir "sprechen"'.

Mit 6 Jahre schulte ich ein. Im Unterricht wurde die Gebärdensprache verboten, nur in der Pause dürften wir gebärden. Im Unterricht mussten wir sprechen lernen. War sehr harte Zeit für mich. In die 6. Klasse wurde die Gebärdensprache im Unterricht anerkannt. Wir waren sehr froh. Wir mußten unsere Lehrerin die Gebärdensprache beibringen.
Ich schloss meine Hauptschulabschluss ab, dann ging ich auf die 3 jährige käufmännische Berufsfachschule, schloss Realschulabschluß ab.
Mein erster Beruf war Buchbinderin, das passte nie zu mir. Dann beschloss ich eine Umschulung zur Ausbildung zur Arbeitserzieherin/-Therapeutin.

Heute arbeite ich bei Loor Ens in Köln. Ich besuche die Familie ein Hausbesuch, sogar auch im Kindergarten. Ich fördere die kleinkinder die Gebärdensprache. Ich unterrichte auch die Familie DGS oder LBG, damit sie mit hörgeschädigte Kinder gegenseitig kommunizieren könnten. Das macht mir auch Spaß und liebe meine Arbeit.

Warum bin ich hier: ich könnte euch die Eltern helfen, meine eigene Erfahrungen weitergeben zu können.

Liebe Grüße Fanie
:love: Die Gebärdensprache ist eine schönste Sprache :love:

Fanie

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2

Sonntag, 9. Oktober 2011, 19:12

Ich möchte euch aufmerksam sagen, dass mein Schriftsprache nicht optimal ist. Und ich hoffe, dass ihr mein Beitrag oben gut verstehen könnt?!
:love: Die Gebärdensprache ist eine schönste Sprache :love:

3

Sonntag, 9. Oktober 2011, 20:31

Hallo Fanie,

herzlich Willkommen.

Danke für Deinen Beitrag - wie viel hat sich seit Deiner Kindheit verändert.... Dass die Gebärdensprache regelrecht verboten war, wußte ich gar nicht, gut dass das nun anders ist.

Es freut mich, dass Du Deine Erfahrungen nun auch beruflich an Eltern weitergeben kannst und auch hier weitergibst. - Interessant, dass Du gelernte Buchbinderin bist, der Buchbinder der Juristischen Bibliothek meiner Universität in der ich als studentsche Hilfskraft gearbeitet habe war auch gehörlos.

Mich interessiert, ob die "vereinfachte Grammatik" (ich nenne das einfach mal so) der DGS Dir das Selbst-Schreiben erschwert, so etwas haben mir nämlich schon einige Gehörlose, die ganz überwiegend mit Gebärdensprache kommunizieren, berichtet.

Viele Grüße

Enno
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Telefon: 02065/8296675
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Fanie

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4

Sonntag, 9. Oktober 2011, 21:35

Hallo Enno,

ich freue mich, dass ich hier auch willkommen bin.

Zu deinem Beitrag:
Mich interessiert, ob die "vereinfachte Grammatik" (ich nenne das einfach mal so) der DGS Dir das Selbst-Schreiben erschwert, so etwas haben mir nämlich schon einige Gehörlose, die ganz überwiegend mit Gebärdensprache kommunizieren, berichtet.


Ja, ich habe oft Probleme mit dem Schreiben, das fällt mir oft sehr schwer. Ich muss immer erstmal überlegen, was ich schreiben soll. Aufgrund ich bekomme das Medien bzw. Radio, TV nicht viel mit, was sie gesprochen wurden. Ihr Hörende bekommen sogar viel mehr und täglich durch Radio und TV mit. Das Buch zu lesen ist nicht mein Ding, obwohl ich lesen kann. Ich lese viel im Internet, aber es manchmal zu wenig Informationen gibt, was auf der Welt passiert.
Es gibt auch TV mit Untertitel. Das ist leider für uns die hörgeschädigte Menschen viel zu wenig, im Moment haben die aller Sendungen nur 12 % Untertitel. Vor einige Jahren hatten wir eine große Demo in Köln gemacht, dass wir 100% Untertitel wollen. Leider wächst die Sendungen mit Untertitel viel zu langsam. Ab 2013 sollten alle Sendungen mit 100%iges Untertitel kommen, da wir gehörlosen Menschen 6 Euro im Monat Rundfunkgebühr bezahlen sollten. Aber im Moment nur 12% mit Untertitel, wie schaffen sie von 12% auf einmal auf 100%? Das ist meine Frage!
Die Gebärdensprache wurde seit 2001 in Deutschland anerkannt. Aber bis heute reicht es trotzdem nicht, was wir um die Barrierenfreiheit kämpfen.

Es gibt ein Spruch von uns: " Mehr Bildung durch Untertitel!"

Deshalb ist der Grund, dass wir gehörlosen Menschen mehr Probleme mit dem Schreiben haben. Die Grammatik der DGS ist leider anders als die Lautsprache.

Hier über DGS:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gebärdensprache
(Quelle: www.wikipedia.de)

Beispiel:

Lautsprache:
Ich kaufe ein Auto

DGS:
ICH - AUTO - KAUFEN

Die Gebärdensprache DGS ist eine eigenständige Sprache. Keine Fremdsprache oder Kommunikationshilfe, etc! LBG ist eine Kommunikationshilfe, wird 1:1 in Lautsprache übertragen. Viele Hörende dachten anfang, dass LBG viel leichter als DGS sei. Aber später merken sie immer, dass LBG viel zu anstrengend ist. Ich spreche es aus meiner Erfahrung.
Wir hörgeschädigten Menschen kommunizieren immer nur DGS, für uns ist selbstverständlich. DGS zeigt viel Mimik und Gestik. (Aber nicht Vergleich mit Pantomime!)
Das bedeutet nicht, dass unsere DGS-Grammatik auf Schreiben übertragen werden. Das hat damit nicht zu tun. Das hängt von der Bildung der gehörlosen Menschen ab. Ebenso wenn einer Dialekt spricht, schreibt auch nicht Dialekt. ^^

.
:love: Die Gebärdensprache ist eine schönste Sprache :love:

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Fanie« (9. Oktober 2011, 21:44)


5

Sonntag, 9. Oktober 2011, 21:54

Danke!

Gibt es nicht auch schon Nachrichtensendungen mit gleichzeitig eingeblendenten/zusätzlichen Gebärdendolmetschern?

Viele Grüße
Enno
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