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Sonntag, 16. Oktober 2011, 14:10

Workshop "Sprache verstehen - Lesen lernen“

Am 15.10.2011 fand von 09.30 bis 13.30 ein Workshop im Cochlea Implant Zentrum Köln zum Thema 'Sprache verstehen - Lesen lernen' statt.

Ein sehr interessanter Aspekt der Rückschau in die Hörgeschädigtenpädagogik der Vergangenheit war dabei die Auffassung, dass Sprechen Lernen durch Lesen Lernen erreicht werden sollte. Dies wird zum Teil auch heute noch propagiert mit leider nicht belegbaren Erfolgen für eine echte Lesekompetenz; kurz, ohne dabei größtmöglichen Wert auf Textverstehen zu legen, bringt es wenig bis nichts.

Frühe Versorgung mit Hörgeräten oder Cochlea Implantaten dient der Ausbildung eines auditiven Gedächtnisses, das zum Spracherwerb und zum Erwerb einer echten Lesekpompetenz erforderlich ist. Die Studien von Frau Dr. Streicher zeigten dies auch signifikant.

Eine Vorreiterin und Wegbereiterin des Auditiv-Verbalen Ansatzes ist Frau Susann Schmid-Giovannini, die - inzwischen 83jährig - immer noch hörgeschädigte Kinder betreut und einer regen Vortragstätigkeit nachgeht.

Dass sie Kinder, wie Erwachsene mit Worten fesseln kann, hat sie in ihrem freien Vortrag eindrucksvoll bewiesen. Sie teilte uns mit, dass nicht etwa der Wunsch nach Neuem, sondern vielmehr die Wut über die vorhandene Art Hörgeschädigten die Sprache nahe zu bringen, ihr Antrieb war, ist und leider immer noch sein müsse. Zum Sprechen lernen gehöre zwingend das Hin-Hören-Können. Hier sei mit dem Cochlea Implantat endlich eine Möglichkeit geschaffen worden, dass ein echtes Wahrnehmen der Umgebungsgeräusche neben der Sprache ermöglicht werden kann, eine "hervorragende Errungenschaft" für alle Gehörlosen und gehörlos Geborenen.

Frau Dr. Sarah Neef, gehörlose und beidseitig mit Hörgeräten versorgte Diplom Psychologin mit eigener Praxis, die als Co-Referentin im Wechsel zusammen mit Frau Schmid-Giovannini vortrug, ist ein eindrucksvolles Beispiel, wie dieser Therapieansatz Wirkung entfalten kann. Es sei "wichtig, jedem Kind diesen Weg zu geben", denn Sprache sei viel mehr als "nur" ein Kommunikationsvehikel. Für sie als Psychologin sei die Sprache das "Hauptwerkzeug" im Alltag. Lesen unterstütze dabei den Erwerb eines Sprachgefühls, sofern es sich um Bücher reicher Sprache handele. Das Interesse für den Nuancenreichtum der Sprache habe ihr Interesse am Lesen sehr gefördert; gefördert auch durch die Verwendung immer reichster Sprache durch ihre Familie und ihre Therapeutin Frau Schmid-Giovannini.

Von beiden Vortragenden wurde unterstrichen: Nur wer Freude an einer reichen Sprache hat, wird auch mit Freude Lesen lernen wollen. Den Sprachreichtum zu fördern, aber auch zu fordern, sei wesentliche Aufgabe der Therapie. Die Sprache, die Pädgogen und Therapeuten verwenden, müsse daher so reich und abwechselungsreich wie irgend möglich sein. Eindruckvoll war in diesem Zusammenhang das aufgezeigte Beispiel vom Märchen Hänsel und Gretel: Ein "da Hexe" dürfe es in der Therapie nicht geben, vielmehr sei ein "dort lebt die böse Hexe, die fragt, 'Knusper, Knusper Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen' " möglichst unterstützt von Mimik und Gestik das Gebotene. Denn nur das Interesse an einer reichen Sprache motiviere Kinder, sich mit der Sprache zu befassen. Auch alle Formen von vereinfachter Grammatik seien daher für Sprach- und Leseerwerb eher hinderlich.

Selbstverständlich gebe es individuelle Grenzen der Aufnahme und Umsetzung, wichtig sei jedoch, dass der Anspruch an die Vermittlung von Sprache so hoch wie nur irgend möglich sein müsse; Abstufen und Herunterfahren könne man immer noch, zu beginnen sei beim Maximum. Das Vorwegnehmen und sich mit "das ist ja schon toll" Zufriedengeben fördere nicht, sondern unterfordere. Dies gelte für Eltern ebenso wie für Therapeutinnen und Therapeuten und setze zugleich bestmögliche technische Versorgung voraus.

Die Begeisterung, die Frau Schmid-Giovannini auch verstand auf uns anwesende Eltern, Betroffene und Fachleute zu übertragen, wirkt hoffentlich in vielen Therapiekonzepten zukünftig fort. Der höchst mögliche Anspruch an technische Versorgung, Therapie und Elternunterstützung ist gefordert.

Enno Peters
Netzwerk für Eltern & Freunde
hörgeschädigter & gehörloser Kinder

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