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Sonntag, 29. Januar 2012, 12:58

Hallo Christina,

das liest sich alles überhaupt nicht wirr und ich vermute mal die meisten der hiere Mitlesenden kennen Deine Gedanken, Sorgen und Verunsicherungen nur zu gut.

Ich würde mit Finya einfach sprechen, das wirst Du in naher Zukunft ja ohnehin immer tun, warum dann nicht auch jetzt? - Aber da kann Euch die Frühförderin/der Frühförderer sicher viel konkretere Tips geben, denn sie/er lernt Eure Tochter ja richtig gut kennen.

Zu dem Artikel/Beitrag im D-Radio Kultur hat Berthold schon etwas geschrieben. Ich sehe so eine klare Drittel-Teilung nicht, wie sie dort angesprochen wurde. Es kommt sehr auf unser Engagement als Eltern (und Familie) an, das ist eindeutig. Auch kommt der Art der Hör-Habilitation (die wird meistens Reha genannt, nur wo noch nie etwas zu Hören war, kann auch nichts wiederhergestellt werden) eine recht große Bedeutung zu. Die im Vorschulalter implantierten Kinder, die ich in den vielen Jahren kennenlernte, haben alle sehr gut von den CIs profitiert und konnten alle Hören und Sprechen. Wie auch bei Normalhörenden gibt es dann natürlich individuelle Unterschiede. Eindeutig ist, dass beidseitge Implantaion einer einseitigen Implantation (wenn es denn individuell geht) zu besseren Ergebnissen führt. Der Beitrag vom D-Radio Kultur hat versucht die gesamte Bandbreite der CI-Versorgten zu beleuchten, dann sind auch viele Ältere, Spätertaubte und Spätversorgte dabei - dann könnte die Drittelteilung schon hinkommen.

Wenn Ihr Euch um das Hören- und damit Sprechen-Lernen Eurer Tochter wirklich kümmert, optimal eingestellte CIs und eine gute Anleitung und Betreuung habt, könnt Ihr das Maximum, das Eurer Tochter möglich ist durch die CI-Versorgung "herausholen" - warum sollte das nicht (fast) normales Hören und Sprechen sein? - Ganz wichtig ist, dass Ihr viel Geduld mitbringt. CI-Versorgung ist kein "Einschalten" des Hörens, sondern erfordert viel Arbeit und vor allem Verständnis und Geduld. Bei unserem Sohn (er war schon 2 Jahre alt, als er seine CIs bekam) kam der richtige "Durchbruch" in die Sprache mit dem Besuch des Kindergartens, dort musste er sprechen, die anderen Kinder konnten sonst ja weniger mit ihm anfangen und das hat seiner Sprachentwicklung richtig gut getan. Wir haben als "Ziel" immer den Beginn der Schulzeit gesehen, bis dahin sollte das Hören und Sprechen "altersgemäß" sein, auch wenn das Höralter sich immer vom Lebensalter unterscheiden wird. - Und bis dahin habt Ihr noch viele spannende Jahre vor Euch.

Viele Grüße
Enno
Netzwerk für Eltern & Freunde
hörgeschädigter & gehörloser Kinder

Telefon: 02065/8296675
E-Mail: mail@hoer-treff.de
Internet: www.hoer-treff.de

7

Sonntag, 29. Januar 2012, 15:41

Hallo Christina,

das Akzeptieren kann dauern, aber wenn Ihr in absehbarer Zeit die deutlichen Fortschritte erleben werdet, wird es Euch leichter fallen.
Reagiert Euer Kind denn mit den Hörgeräten überhaupt? Dreht sie den Kopf, zeigt sie Aufmerksamkeit? Ich würde auch vor der OP schon halbwegs normal mit ihr sprechen. Wenn etwas bei ihr ankommt, dann lernt sie schon einmal, dass ihre Mitmenschen mit ihr sprechen und dass überhaupt Geräusche existieren. Vielleicht ist das schon einmal eine gewisse Basis für das Hörenlernen nach der Implantation. Wir haben zusätzlich einige sprachbegleitende Gebärden benutzt, die unsere Tochter im Laufe der Zeit teilweise verstanden oder auch benutzt hat. Aber nach unserer Erfahrung dauert auch das Erlernen dieser Verständigung eine geraume Zeit, so dass man keine Wunder erwarten sollte. Im Rahmen der Frühförderung kann Euch da sicherlich weitergeholfen werden. Da Euer Kind naturgemäß auf das Sehen fixiert ist, wird es Euch auch ins Gesicht schauen und wahrscheinlich gut Mimiken verstehen lernen und auch die Lippenbewegungen beobachten. Daraus wird sie zunehmend mehr ablesen können. Auch deswegen würde ich weiter mit ihr sprechen und sie dabei natürlich immer anschauen.

Der Vergleich mit gleichaltrigen Kindern kann jahrelang schmerzen, das wissen wir auch. Es ist richtig, dass Eure Tochter ihr eigenes Tempo haben wird, man sollte nicht ungeduldig werden, aber man darf Hoffnung haben. Ich bin überzeugt davon, dass ein normal intelligentes Kind mit CI bei ordentlicher technischer Versorgung und ordentlicher Förderung - primär durch die Eltern - bis zum Einschulungsalter typischerweise etwa auf dem sprachlichen Entwicklungsstand normalhörender Kinder sein wird. Nicht wenige Kinder schaffen das zwar nicht, aber dazu gehören insbesondere - wie wir aus verschiedenen Quellen wissen - Kinder aus schlechten sozialen Verhältnissen, die von den Eltern nicht gefördert werden. Sie werden vor den Fernseher gesetzt, tragen ihre Sprachprozessoren nur unregelmäßig, die Eltern schicken sie teilweise mit Geräten ohne Batterien in den Kindergarten oder zur Schule für Hörgeschädigte. Auch mögen es Kinder, die allgemein besonders unkonzentriert oder desinteressiert sind, deutlich schwerer haben. Hinzu kommen natürlich Kinder mit weiteren Behinderungen.

Viele Grüße
Berthold

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